02.05.2008, 13:36
Die Sage der heiligen Pandyra von Irian
Es war zu einer Zeit, als Lydras Aufstieg die Ordnung unter den Göttern erschüttere und sich die Welt der Götter wandelte, wie sie es sehr selten und doch von Zeit zu Zeit tut, um dann einige Äonen sich langsam zu winden und in diesem Zustand zu verharren, der in menschlichen Maßstäben eine Ewigkeit weilt...
...es war eine solche Zeit, als sich die Götter einig und die Mächtigsten unter Ihnen gewahr waren, dass nicht länger Willkür und Laune eines jeden Gottes über Leben und Tod auf der Welt entscheiden dürften. So bestimmten sie die junge Göttin Lydra, in deren Augen noch der Zorn über die göttliche Willkür der Vergangenheit blitzte, so dass selbst die Mächtigen dem Anblick nicht lange standhalten konnten, zur Herrscherin über Leben und Tod. Die Götter gaben IHR auf, diese Aufgabe in Ihrer aller Namen weitsichtig und gerecht auszuführen, denn Lydra war doch trotz ihrer Jugend unter allen Göttern für gerade diese Tugenden bekannt und geachtet. Die Götter waren einig auch darin, dass nur SIE von nun an für eine jedes Lebewesen, ob Tier, Mensch, Ork oder Ungeheuer, nach IHREM gerechten Plan den Zeitpunkt bestimmen sollte, an dem der Weg in dieser Welt für sie zu Ende ist, der Körper in Ruhe zurückbleiben und die Seele in eine andere Welt fahren soll, wo ein anderes Leben sie erwartet.
Doch so einig sie schienen und so erstrebenswert ihr Ziel auch war, gab es doch unter den Göttern welche, die der Göttlichen Lydra ihre Aufgabe neideten. Nicht, weil sie glaubten, gerechter und weitsichtiger urteilen zu können, sondern aus Machtgier, wußten sie doch, welche Macht die Furcht über die Menschen hat und dass die meisten dem jeden Dienst erfüllen, der ihnen mit dem Tode drohen kann.
Einer der dunkelsten unter ihnen war Taragun der Finstere und er sandte unerkannt drei seiner Diener aus: Tod, Pest und Verderben. Er wies sie im Geheimen an, auf der Welt zu walten wie es ihnen beliebte und sich nicht an den Plan Lydras zu halten, dessen Gerechtigkeit ihm zuwider war und dessen Weisheit er nicht verstand. Und nachdem der dunkle Taragun sie ausgesandt hatte ließ er unter den Göttern verbreiten, dass er den Anspruch Lydras nicht anerkennen werde, solange die junge Göttin nicht in der Lage sei, das IHR von den anderen Göttern übertragene Recht und IHREN Plan für die Welt der Sterblichen auch um zu setzen.
Die Augen der Götter richteten sich erwartungsvoll auf die junge Göttin. Die Weitsichtige aber sah das falsche Spiel, und wußte, dass SIE um zu schützen, was SIE mit Mut und Kühnheit erlangt hatte nun Entschlossenheit folgen lassen mußte und nicht auf Hilfe hoffen konnte. Doch als SIE sich erhob, stand einer der alten Götter, der listenreiche Adun, der große Gott des Handels und Tausches an IHRER Seite. Denn er war der einzige außer IHR, der sich nicht durch die List des Finsteren hatte blenden lassen, war er doch der Meister dieser Kunst und hatte die Intrige schnell durchschaut. So sprach der Listenreiche „Ich helfe Dir, wenn auch Du mir einen Dienst erweist.“ und noch während SIE einwilligte, lächelte Adun und dachte bei sich „so leicht gehst Du auf meinen Handel ein? Ich hätte Dir doch sowieso geholfen...Du mußt noch viel lernen...“
So wandten sie gemeinsam ihren Blick hinunter auf die Welt der Sterblichen, und vieles was nun geschah, war durchdrungen von IHREM göttlichen Wirken.
Die junge Frau lag auf einer Lichtung unter sternklarem Himmel, in eine Decke gehüllt und gab sich dem leichten Schlaf hin, in den erfahrene Krieger fallen, wenn sie am Ende ihrer Kräfte sind und sich zur Ruhe zwingen obwohl sie wissen, dass die Gefahr nicht weit ist. Halb liegend, halb sitzend lehnte sie mit ihrem Rücken an einem nachtschwarzen Pferd, das hinter ihr lag und den Kopf im weichen Gras abgelegt hatte. Ihr glattes Haar fiel ihr ins Gesicht, und obwohl so die Hälfte ihres Gesichtes bedeckt war, ließen ihre feinen Gesichtszüge, ihre glatte, samtene Haut und ihre roten, vollen Lippen ihre bestechende Schönheit erahnen. Etwas knackte im Gebüsch. Die Kriegerin war sofort hellwach, doch ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Langsam öffnete sie ihr rechtes Auge, dass von ihrem Haar verdeckt war einen Spalt breit. Obwohl ihre Blick stark eingeschränkt war, erfasste sie in Sekundenschnelle die Lage. Vier Söldner, in dunkle Umhänge gehüllt, hatten sich im Schutze eines Gebüschs genähert, einer hatte eine schußbereite, schwere Windenarmbrust, die selbst eine Plattenrüstung mit samt dem Körper dahinter durchschlägt und dann noch die Metallrüstung am Rücken verbeult. Die Gedanken schossen ihr wie Blitze durch den Kopf: Sie konnten nur leicht gerüstet sein, sonst hätten sie ihr Tempo der letzten beiden Tage nie halte können. Auch dass sie keine großen, zweihändigen Waffen bei ihnen gesehen hatte, passte zu diesem Bild. Vier leicht Gerüstete? Ihre Gegner hatten sie wieder einmal unterschätzt. Söldner – nie würde sie mit solch unwürdigem Pack auch nur ein Wort wechseln. Sie wollte noch warten, bis der Mann mit der Armbrust sie ins Visier nehmen würde. Plötzlich hörte sie direkt hinter sich einen Flügelschlag. Sofort rollte sie sich zur Seite und gab dabei ihrem Pferd mit der flachen Linken einen kräftigen Schlag auf das Hinterteil, so dass es erschreckt aufsprang. Nur so verfehlte sie der erste Bolzen des Schützen, den sie nicht gesehen hatte. „Auf meine Instinkte ist immer noch Verlass“ dachte sie trotzig bei sich und auch wenn sie es noch nicht zuzugeben bereit war, wußte sie zu diesem Zeitpunkt schon, dass nicht ihr Gefühl ihr gerade das Leben rettete. Während der Zweite seine Armbrust hochriss stürmten die anderen drei auch schon mit gezogenen Waffen auf sie zu. Sie sprang auf die Füße und machte sofort einen Satz zur Seite, und der zweite Bolzen ging ins Leere, und als ihr Schwert aus der Scheide glitt, durchzuckte ein Blitz aus heiterem Himmel die Nacht.
Der Kampf währte keine zehn Lidschläge und die Söldner lagen in ihrem eigenen Blute. Die Zeit war gekommen, da Lydra ihre Seelen anwies, diese Welt zu verlassen. Während die Kriegerin sich einen Schnitt am Oberarm mit etwas weißem Stoff verband, hörte sie plötzlich wieder den Flügelschlag. Sie fuhr herum, drehte sich einmal um die eigenen Achse und riss ihr Schwert zum Hieb nach oben – doch da war nichts. Sie schloss für einen moment die Augen, konzentrierte sich und lauschte. Noch immer konnte sie den Flügelschlag ausklingen hören und sie hörte, wie eine ferne Stimme ihren Namen rief. Und als sie die Augen wieder öffnete war die ganze Lichtung in helles Licht getaucht, die Sterne leuchteten heller denn je und ein überwältigende Woge des Gefühls ergriff sie, ihr Schwert glitt aus ihrer Hand und fiel lautlos ins weiche Gras. Erst als sie das Bedürfnis verspürte, niederzuknien, merkte sie, wie sie bereits kniete.
Von dem was nun geschah gibt es leider keine genauen Aufzeichnungen mehr, seit die Orginalschriften der Heldentaten der heiligen Pandyra in den Zweiten Dämonenkriegen verloren gingen. Unzweifelhaft steht jedoch fest, dass in dieser Nacht die Göttin Lydra, die Herrin über Leben und Tod, selbst zu Pandyra sprach, ihr IHREN göttlichen Segen gab und auftrug, die drei Diener des Taragun zu finden, zu jagen und zur Strecke zu bringen. Und Pandyra fand sie indem sie der Spur des Chaos, der Verwüstung und des Todes folgte, die die drei hinterließen. Als erstes traf sie auf Verderben, der seinem schrecklichen Handwerk nachging und den Menschen den Verstand raubte sie mit zerstörerischen Zweifeln in den Selbstmord trieb und die Irrsinnigen als seine Willenlosen Diener um sich scharrte. Pandyras Schwert erlöste so manchen von seinen Qualen, doch gelang es ihr nicht, Verderben selbst zu bezwingen. Mit dem Schwerte war kein Ankommen gegen ihn möglich, war er doch ein mächtiger göttlicher Avatar und weder mit Magie noch mit gesegnetem Stahl aus dieser Welt zu bannen. Doch das Wohlwollen der beiden Göttlichen, die IHRE Augen in dieser Zeit stets auf Pandyra gerichtet hielten, schirmte sie ab gegen die Macht des dunklen Avatars. So zog er sich zurück. Doch Pandyra gab nicht auf. Sie folgte der Spur und suchte nach den Zeichen der Götter. Lydra gewährte ihr Einsicht und so entstand durch IHR Zutun und den festen Glauben der frommen Pandyra das erste Wahrhaftige Gebet zur Anbetung Lydras, mit welchem der wahrhaft Gläubige im Stande war, die Avatare Taraguns ihrer überirdischen Kräfte zu berauben. Auch Adun gewährte Pandyra seine Gunst, und so traf sie einen Händler, der ihr ein heiliges Seil im Tausch gegen ihr Versprechen gab, nach ihrer Queste den Bruder des Händlers aus der Gefangenschaft der Nordmänner zu befreien. Mit diesem Seil konnte man die Diener Taraguns am Fliehen hindern, während das Gebet gesprochen wurde. Die Büchse, in die Pandyra die drei sperren wollte, fertigte sie selbst an und Lydra, die Herrin des Schicksals, gab ihren Segen darauf.
Mit dem ersten Gebet, dem heiligen Seil und der heiligen Büchse machte sie sich erneut auf die Jagd. Und sie stellte einen nach dem anderen und während ihre Gefährten, von denen manch einer diesen Kampf nicht überlebte, das Seil hielten, sprach sie das erste Gebet und sperrte Tod, Pest und Verderben in die Büchse.
Diese Niederlage seiner Diener fiel auf Taragun zurück und die Götter straften ihn, nachdem Lydra ihnen die Geschehnisse berichtete. Sie verbannten Taragun in einen unwirtlichen Teil in den hinteren Gefilden der Götterwelt, wo er seit dem sein dasein fristet und nach Rache sinnt...
Die göttliche Lydra hingegen wurde von den Göttern bestätigt und seitdem hat nie wieder ein Gott IHR das Richten über Leben und Tod streitig zu machen versucht. Als Dank erhob die Göttliche Pandyra zur Heiligen Hüterin der Büchse und wies IHRE Priester an, den Namen der heiligen Pandyra in ein jedes Tempelbuch aufzunehmen und ihr stets Respekt und Ehrerbietung zuteil werden zu lassen. Pandyra verbrachte ihre Zeit von nun an auf Festen, die zu ihren Ehren gehalten wurden, überall wurde ihr Speis und Trank geboten und Turniere wurden für sie veranstaltet. Je länger diese Zeit währte umso mehr ergriffen Hochmut und Eitelkeit von ihr Besitz. Schon ein Jahr war auf diese Weise verstrichen und sie erinnerte sich längst nicht mehr an das Versprechen, dass sie dem Händler damals gab und selbst als ein Adun Priester auf eine Vision seines Gottes hin sie ermahnte, einen von Adun gesegneten Handel stets zu erfüllen, da winkte sie nur ab und sagte ihm, sie hätte vor einiger Zeit ein paar Söldner losgeschickt, diese lästige Schuld für sie zu tilgen und da sie nichts mehr von ihnen gehört hatte, gehe sie davon aus, dass sie ihre Aufgabe Pflichtgemäß erfüllt hätten. Der Priester betete voll Zorn zum mächtigen Adun und berichtete ihm...
Droben in der Welt der Götter war es der große Adun, der daraufhin zornig vor Lydra trat. Er erinnerte SIE an den Dienst, den SIE ihm schuldete und forderte die Höchste Bestrafung der heiligen Pandyra für ihren Frevel. Lydra lächelte und willigte ein und Adun war überrascht, dass die Göttliche ihre Heilige in der Welt der Sterblichen aufgab und IHREN Plan ohne Gegenwehr nach seinem Willen änderte. Als er sich darüber nachsinnend umdrehte und langsam entfernte schaute die Weitsichtige ihm nach und dachte: „Wenn Du so klug bist wie man sagt, wirst Du bald dahinter kommen, warum ich so leicht auf diesen Handel eingegangen bin. Pandyra hat ihre Aufgabe in dieser Welt erfüllt, der letzte Richtspruch über sie war schon gesprochen und in meinen gerechten Plan aufgenommen, lange bevor Du es verlangtest. Diesen Wunsch hätte ich Dir sowieso erfüllt. Du kannst auch von mir noch etwas lernen...“
Es war zu einer Zeit, als Lydras Aufstieg die Ordnung unter den Göttern erschüttere und sich die Welt der Götter wandelte, wie sie es sehr selten und doch von Zeit zu Zeit tut, um dann einige Äonen sich langsam zu winden und in diesem Zustand zu verharren, der in menschlichen Maßstäben eine Ewigkeit weilt...
...es war eine solche Zeit, als sich die Götter einig und die Mächtigsten unter Ihnen gewahr waren, dass nicht länger Willkür und Laune eines jeden Gottes über Leben und Tod auf der Welt entscheiden dürften. So bestimmten sie die junge Göttin Lydra, in deren Augen noch der Zorn über die göttliche Willkür der Vergangenheit blitzte, so dass selbst die Mächtigen dem Anblick nicht lange standhalten konnten, zur Herrscherin über Leben und Tod. Die Götter gaben IHR auf, diese Aufgabe in Ihrer aller Namen weitsichtig und gerecht auszuführen, denn Lydra war doch trotz ihrer Jugend unter allen Göttern für gerade diese Tugenden bekannt und geachtet. Die Götter waren einig auch darin, dass nur SIE von nun an für eine jedes Lebewesen, ob Tier, Mensch, Ork oder Ungeheuer, nach IHREM gerechten Plan den Zeitpunkt bestimmen sollte, an dem der Weg in dieser Welt für sie zu Ende ist, der Körper in Ruhe zurückbleiben und die Seele in eine andere Welt fahren soll, wo ein anderes Leben sie erwartet.
Doch so einig sie schienen und so erstrebenswert ihr Ziel auch war, gab es doch unter den Göttern welche, die der Göttlichen Lydra ihre Aufgabe neideten. Nicht, weil sie glaubten, gerechter und weitsichtiger urteilen zu können, sondern aus Machtgier, wußten sie doch, welche Macht die Furcht über die Menschen hat und dass die meisten dem jeden Dienst erfüllen, der ihnen mit dem Tode drohen kann.
Einer der dunkelsten unter ihnen war Taragun der Finstere und er sandte unerkannt drei seiner Diener aus: Tod, Pest und Verderben. Er wies sie im Geheimen an, auf der Welt zu walten wie es ihnen beliebte und sich nicht an den Plan Lydras zu halten, dessen Gerechtigkeit ihm zuwider war und dessen Weisheit er nicht verstand. Und nachdem der dunkle Taragun sie ausgesandt hatte ließ er unter den Göttern verbreiten, dass er den Anspruch Lydras nicht anerkennen werde, solange die junge Göttin nicht in der Lage sei, das IHR von den anderen Göttern übertragene Recht und IHREN Plan für die Welt der Sterblichen auch um zu setzen.
Die Augen der Götter richteten sich erwartungsvoll auf die junge Göttin. Die Weitsichtige aber sah das falsche Spiel, und wußte, dass SIE um zu schützen, was SIE mit Mut und Kühnheit erlangt hatte nun Entschlossenheit folgen lassen mußte und nicht auf Hilfe hoffen konnte. Doch als SIE sich erhob, stand einer der alten Götter, der listenreiche Adun, der große Gott des Handels und Tausches an IHRER Seite. Denn er war der einzige außer IHR, der sich nicht durch die List des Finsteren hatte blenden lassen, war er doch der Meister dieser Kunst und hatte die Intrige schnell durchschaut. So sprach der Listenreiche „Ich helfe Dir, wenn auch Du mir einen Dienst erweist.“ und noch während SIE einwilligte, lächelte Adun und dachte bei sich „so leicht gehst Du auf meinen Handel ein? Ich hätte Dir doch sowieso geholfen...Du mußt noch viel lernen...“
So wandten sie gemeinsam ihren Blick hinunter auf die Welt der Sterblichen, und vieles was nun geschah, war durchdrungen von IHREM göttlichen Wirken.
Die junge Frau lag auf einer Lichtung unter sternklarem Himmel, in eine Decke gehüllt und gab sich dem leichten Schlaf hin, in den erfahrene Krieger fallen, wenn sie am Ende ihrer Kräfte sind und sich zur Ruhe zwingen obwohl sie wissen, dass die Gefahr nicht weit ist. Halb liegend, halb sitzend lehnte sie mit ihrem Rücken an einem nachtschwarzen Pferd, das hinter ihr lag und den Kopf im weichen Gras abgelegt hatte. Ihr glattes Haar fiel ihr ins Gesicht, und obwohl so die Hälfte ihres Gesichtes bedeckt war, ließen ihre feinen Gesichtszüge, ihre glatte, samtene Haut und ihre roten, vollen Lippen ihre bestechende Schönheit erahnen. Etwas knackte im Gebüsch. Die Kriegerin war sofort hellwach, doch ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Langsam öffnete sie ihr rechtes Auge, dass von ihrem Haar verdeckt war einen Spalt breit. Obwohl ihre Blick stark eingeschränkt war, erfasste sie in Sekundenschnelle die Lage. Vier Söldner, in dunkle Umhänge gehüllt, hatten sich im Schutze eines Gebüschs genähert, einer hatte eine schußbereite, schwere Windenarmbrust, die selbst eine Plattenrüstung mit samt dem Körper dahinter durchschlägt und dann noch die Metallrüstung am Rücken verbeult. Die Gedanken schossen ihr wie Blitze durch den Kopf: Sie konnten nur leicht gerüstet sein, sonst hätten sie ihr Tempo der letzten beiden Tage nie halte können. Auch dass sie keine großen, zweihändigen Waffen bei ihnen gesehen hatte, passte zu diesem Bild. Vier leicht Gerüstete? Ihre Gegner hatten sie wieder einmal unterschätzt. Söldner – nie würde sie mit solch unwürdigem Pack auch nur ein Wort wechseln. Sie wollte noch warten, bis der Mann mit der Armbrust sie ins Visier nehmen würde. Plötzlich hörte sie direkt hinter sich einen Flügelschlag. Sofort rollte sie sich zur Seite und gab dabei ihrem Pferd mit der flachen Linken einen kräftigen Schlag auf das Hinterteil, so dass es erschreckt aufsprang. Nur so verfehlte sie der erste Bolzen des Schützen, den sie nicht gesehen hatte. „Auf meine Instinkte ist immer noch Verlass“ dachte sie trotzig bei sich und auch wenn sie es noch nicht zuzugeben bereit war, wußte sie zu diesem Zeitpunkt schon, dass nicht ihr Gefühl ihr gerade das Leben rettete. Während der Zweite seine Armbrust hochriss stürmten die anderen drei auch schon mit gezogenen Waffen auf sie zu. Sie sprang auf die Füße und machte sofort einen Satz zur Seite, und der zweite Bolzen ging ins Leere, und als ihr Schwert aus der Scheide glitt, durchzuckte ein Blitz aus heiterem Himmel die Nacht.
Der Kampf währte keine zehn Lidschläge und die Söldner lagen in ihrem eigenen Blute. Die Zeit war gekommen, da Lydra ihre Seelen anwies, diese Welt zu verlassen. Während die Kriegerin sich einen Schnitt am Oberarm mit etwas weißem Stoff verband, hörte sie plötzlich wieder den Flügelschlag. Sie fuhr herum, drehte sich einmal um die eigenen Achse und riss ihr Schwert zum Hieb nach oben – doch da war nichts. Sie schloss für einen moment die Augen, konzentrierte sich und lauschte. Noch immer konnte sie den Flügelschlag ausklingen hören und sie hörte, wie eine ferne Stimme ihren Namen rief. Und als sie die Augen wieder öffnete war die ganze Lichtung in helles Licht getaucht, die Sterne leuchteten heller denn je und ein überwältigende Woge des Gefühls ergriff sie, ihr Schwert glitt aus ihrer Hand und fiel lautlos ins weiche Gras. Erst als sie das Bedürfnis verspürte, niederzuknien, merkte sie, wie sie bereits kniete.
Von dem was nun geschah gibt es leider keine genauen Aufzeichnungen mehr, seit die Orginalschriften der Heldentaten der heiligen Pandyra in den Zweiten Dämonenkriegen verloren gingen. Unzweifelhaft steht jedoch fest, dass in dieser Nacht die Göttin Lydra, die Herrin über Leben und Tod, selbst zu Pandyra sprach, ihr IHREN göttlichen Segen gab und auftrug, die drei Diener des Taragun zu finden, zu jagen und zur Strecke zu bringen. Und Pandyra fand sie indem sie der Spur des Chaos, der Verwüstung und des Todes folgte, die die drei hinterließen. Als erstes traf sie auf Verderben, der seinem schrecklichen Handwerk nachging und den Menschen den Verstand raubte sie mit zerstörerischen Zweifeln in den Selbstmord trieb und die Irrsinnigen als seine Willenlosen Diener um sich scharrte. Pandyras Schwert erlöste so manchen von seinen Qualen, doch gelang es ihr nicht, Verderben selbst zu bezwingen. Mit dem Schwerte war kein Ankommen gegen ihn möglich, war er doch ein mächtiger göttlicher Avatar und weder mit Magie noch mit gesegnetem Stahl aus dieser Welt zu bannen. Doch das Wohlwollen der beiden Göttlichen, die IHRE Augen in dieser Zeit stets auf Pandyra gerichtet hielten, schirmte sie ab gegen die Macht des dunklen Avatars. So zog er sich zurück. Doch Pandyra gab nicht auf. Sie folgte der Spur und suchte nach den Zeichen der Götter. Lydra gewährte ihr Einsicht und so entstand durch IHR Zutun und den festen Glauben der frommen Pandyra das erste Wahrhaftige Gebet zur Anbetung Lydras, mit welchem der wahrhaft Gläubige im Stande war, die Avatare Taraguns ihrer überirdischen Kräfte zu berauben. Auch Adun gewährte Pandyra seine Gunst, und so traf sie einen Händler, der ihr ein heiliges Seil im Tausch gegen ihr Versprechen gab, nach ihrer Queste den Bruder des Händlers aus der Gefangenschaft der Nordmänner zu befreien. Mit diesem Seil konnte man die Diener Taraguns am Fliehen hindern, während das Gebet gesprochen wurde. Die Büchse, in die Pandyra die drei sperren wollte, fertigte sie selbst an und Lydra, die Herrin des Schicksals, gab ihren Segen darauf.
Mit dem ersten Gebet, dem heiligen Seil und der heiligen Büchse machte sie sich erneut auf die Jagd. Und sie stellte einen nach dem anderen und während ihre Gefährten, von denen manch einer diesen Kampf nicht überlebte, das Seil hielten, sprach sie das erste Gebet und sperrte Tod, Pest und Verderben in die Büchse.
Diese Niederlage seiner Diener fiel auf Taragun zurück und die Götter straften ihn, nachdem Lydra ihnen die Geschehnisse berichtete. Sie verbannten Taragun in einen unwirtlichen Teil in den hinteren Gefilden der Götterwelt, wo er seit dem sein dasein fristet und nach Rache sinnt...
Die göttliche Lydra hingegen wurde von den Göttern bestätigt und seitdem hat nie wieder ein Gott IHR das Richten über Leben und Tod streitig zu machen versucht. Als Dank erhob die Göttliche Pandyra zur Heiligen Hüterin der Büchse und wies IHRE Priester an, den Namen der heiligen Pandyra in ein jedes Tempelbuch aufzunehmen und ihr stets Respekt und Ehrerbietung zuteil werden zu lassen. Pandyra verbrachte ihre Zeit von nun an auf Festen, die zu ihren Ehren gehalten wurden, überall wurde ihr Speis und Trank geboten und Turniere wurden für sie veranstaltet. Je länger diese Zeit währte umso mehr ergriffen Hochmut und Eitelkeit von ihr Besitz. Schon ein Jahr war auf diese Weise verstrichen und sie erinnerte sich längst nicht mehr an das Versprechen, dass sie dem Händler damals gab und selbst als ein Adun Priester auf eine Vision seines Gottes hin sie ermahnte, einen von Adun gesegneten Handel stets zu erfüllen, da winkte sie nur ab und sagte ihm, sie hätte vor einiger Zeit ein paar Söldner losgeschickt, diese lästige Schuld für sie zu tilgen und da sie nichts mehr von ihnen gehört hatte, gehe sie davon aus, dass sie ihre Aufgabe Pflichtgemäß erfüllt hätten. Der Priester betete voll Zorn zum mächtigen Adun und berichtete ihm...
Droben in der Welt der Götter war es der große Adun, der daraufhin zornig vor Lydra trat. Er erinnerte SIE an den Dienst, den SIE ihm schuldete und forderte die Höchste Bestrafung der heiligen Pandyra für ihren Frevel. Lydra lächelte und willigte ein und Adun war überrascht, dass die Göttliche ihre Heilige in der Welt der Sterblichen aufgab und IHREN Plan ohne Gegenwehr nach seinem Willen änderte. Als er sich darüber nachsinnend umdrehte und langsam entfernte schaute die Weitsichtige ihm nach und dachte: „Wenn Du so klug bist wie man sagt, wirst Du bald dahinter kommen, warum ich so leicht auf diesen Handel eingegangen bin. Pandyra hat ihre Aufgabe in dieser Welt erfüllt, der letzte Richtspruch über sie war schon gesprochen und in meinen gerechten Plan aufgenommen, lange bevor Du es verlangtest. Diesen Wunsch hätte ich Dir sowieso erfüllt. Du kannst auch von mir noch etwas lernen...“