Neugierig beobachtet Ilen Marandeus bei seinen Übungen, man könnte meinen sie erhofft sich davon einen tieferen Einblick in die Magie - und ihre Anwendung.
Erst als die beiden Magier ihre Tun beenden und sich in einigen Schritten Entfernung auf den Boden setzen, wendet sie den Blick von ihnen ab, und lässt ihn zurück auf die Papiere in ihrem Schoß wandern.
Mit einigen wenigen Handgriffen richtet sich Ilen zur Arbeit her, ihr Tintenfaß steht bereit, und mit der Feder in der Hand beginnt sie damit, die letzte Seite des Textes zu übersetzen. Der zwischen den Seiten steckende Schlüssel für die Runenschrift liegt unbeachtet da... Übung hatte sie offensichtlich in der letzten Zeit genug.
"Hmmm... nun ja... wie wäre es wenn du dir vorerst erklären würdest was es dir unmöglich macht die einfachsten Gefühle deutlich zu erbleben? Wieso fühlst du keine Schmerz...warum keine Furcht...gibt es dafür eine erklärung?"
Der Magus seufzt auf, sein Blick wird kalt und scheint zu anderen Orten, anderen Geschenissen zu gleiten.
"Furcht spüre ich nicht mehr, weil es nichts mehr gibt was mich ängstigen könnte. Jede Form der Grausamkeit habe ich schon gesehen. Ich stand knietief im Blut und Gedärm der Freinde, sah Wesen auf brutalste Weise sterben. Ich selbst habe Lebewesen heimtückisch gemeuchelt, Menschen gefoltert bis sie verrieten was ich wissen musste oder sie starben. Auf anderen Ebenen sah ich Dinge die die meistern Wesen in den Wahnsinn treiben würden. Mein alter Meister nahm mich als Komponente für Blutmagie, als Gefäß so zu sagen. Wenn Du spürst wie Dein Blut, Dein Leben, Deine Magie und Essenz aus Dir fließt obwohl Du es nicht selbst willst, dann ist Panik das geringste was in Dir aufwallt. Was soll mich also noch in Furcht versetzen?"
Tirion blinzelt und sein Blick wird wieder klarer. Als der Elf über den magischen Mißbrauch durch seinen Meister spricht fährt seine rechte Hand unbewusst über den linken Unterarm.
"Das mit den Gefühlen ist etwas komplizierter. Ich denke das viele der ebend geschilderten Ereignisse dazu geführt haben, dass es notwenig war Gefühle zu unterdrücken. Auch denke ich das sie auf Grund meines Lebens einfach verkümmert sind, wenn man etwas dauerhaft unterdrückt kann es sich auch nicht ausbilden. Es ist auch gefährlich und oft hinderlich zu viel Sentimentalität an den Tag zu legen, gefährlich für sich selbst und für Andere."
Der Elf richtet sein Blick kurz gen Himmel und blickt dann etwas schmunzelnd Marandeus an.
"Tja und das mit den Schmerzen hat sich so ergeben, da habe ich nun wirklich keine Erklärung für."
Ach diesmal streicht Tirions Hand, wie selbstverständlich über den Unterarm. Dabei rutscht der Ärmel etwas nach oben und man kann deutlich die zernarbte Haut darunter erkennen. Kaum ein Stück des Unterarmes scheint ohne Narbe zu sein.
Marandeus hört gefasst den schilderungen seines Meisters und Vaters zu. Einige der Ausführungen lassen die Gesichtszüge des jungen Magiers verhärten. Als sein Vater endet blickt er ihm fest in die Augen. Er wirkt nachdenklich und auf seltsame weise betrübt. "Ich denke es gibt viele Gründe...und die wenigsten lassen sich kurz und knapp erzählen... aber ich will und werde nicht glauben das Gefühle verkümmern können... du fühlst doch Liebe... Liebe zu deinen Freunden... die du beschützt... und," Marandeus blickt zu boden "...und du hast mich doch nicht aus kalter berechnung zu deinem Sohn gemacht?..." Marandeus blickt seinem Vater weiterhin in die Augen und man sieht das er nur eine einzige Antwort zulassen wird...
"Zuneigung empfinde ich ja, für jeden einzelnen meiner Freunde und auch für Dich als meinen Sohn und Schüler. Liebe... das empfand ich mal, damals als ich verheiratet war, solange bis Mearas starb, dann begrub ich meine Liebe mit ihm. Doch ob es nun Liebe ist was ich jetzt für ... Ihn empfinde weiß ich nicht. Es ist vielleicht nur eine andere Form von Freundschaft oder... *kopfschüttel*. Außerdem ist er ein Mensch... viel zu jung... Krieger und Hitzkopf... sowas geht nie gut."
Den letzten Satz spricht er mehr zu sich selbst.
Nun lässt Tirion einen kurzen Moment verstreichen in dem er sich auf der Lichtung umschaut.
"Natürlich habe ich Dich nicht aus einer Berechnung adoptiert. Wie sollte denn so eine Rechnung schon aussehen? Eine Berechnung in welche Du in Blutpulver umgerechnet wirst? Nein ich habe in Dir etwas erkannt. Einen Teil von dem wie ich früher war und es ist schön zu sehen das Du Dir noch ein einigermaßen reines Herz bewahrt hast. Ich habe Dich zu meinem Sohn "gemacht" weil ich Dich schützen will. Ich sagte einst das Ihr..
Er schaut zu Rick und dann zurück zu Marandeus.
"... für mich wie Söhne seit und egal was Ihr tut, wie mächtig Ihr auch sein werdet, Ihr werdet für mich immer die "Kleinen" bleiben, welche ich vor Schaden bewahren muss.
Vielleicht war es der Wunsch nach einem eigenem Kind welcher mir ewig verwehrt bleibt, der mich dazu brachte den Orden nach einer Möglichkeit der Adoption zu fragen. Sicher ist nur ich hätte diesen Schritt niemals aus Berechnung unternommen. Viel eher aus tiefer Freundschaft."
Marandeus nickt wissend und zufrieden ob der Antwort und der tatsache einen schritt weiter gekommen zu sein...
"Wir werden weiter darüber reden... wenn dir das auch recht ist... jedoch müssen wir uns auch langsam sputen..es geht bald los"... Marandeus blickt auf zur Sonne.
"Wir können uns auf der Reise gern weiter darüber unterhalten. ähmm... bevor wir gleich aufbrechen... bleib bitte noch kurz sitzen. Ich muss Dich mal richtig "anziehen" für die Reise"
Tirion erhebt sich und stellt sich hinter Marandeus. Der Magus intoniert mehrere Formeln in Sindarin, der Sprache der Elfen. Zuerst hält er ein Stück Rüstungsblech in der Hand, anschließend einen Fokus und zum Schluss berührt er mit seiner linken Hand Marandeus Schulter. Das Glaubenssymbol in seiner Hand leutet dabei kurz rot auf, als er die letzte Formel spricht.
"Anor feanol a sîdh urieb. So nun sind wir bereit für die Reise. Rick Dich werde ich kurz vor der Ankunft noch mit Schutzzaubern belegen, wenn Du es wünscht. So wie ich es auch zur Jahreswende getan habe. Gut dann meine Freunde können wir?"
Geräuschlos schleicht sich eine schlanke Gestalt durch das Unterholz. Ihre Augen sind starr, ihr Blick leer. Fest umklammert sie das Schwert an ihrer Seite....
Als sie in die Nähe der Mauern kommt, verharrt sie kurz und hält in ihren geschmeidigen Bewegungen inne. Eljisijah schaut hinauf zu den Mauern in der Hoffnung einen Schemen zu erblicken, einen Hauch von Wein... etwas Vertrautes. Aber in der Ferne regt sich nichts. Sie verspürt nur den stillen Atem der Steine, der Bäume, der Welt.. Ein Rauschen geht durch die Blätter um sie herum. Sie weiß dass es Zeit ist. Zeit zu gehen.
"Wir werden uns wiedersehen ihr Menschlein. Vereint in Trauer." Sie tastet vorsichtig nach ihrer kleinen ledernen Tasche und lässt ihre Hand kurz darauf verharren.
"Mehr noch als zuvor wird mein Weg von Zerstörung geprägt sein, ein Pfad des Blutes. Dafür werden Köpfe rollen.... für Rick.... " Ihre Hand ballt sich zu einer Faust... Vorsichtig bückt sie sich... und reißt unter Schmerzen ein paar Grashalme aus dem Boden. Ein Schrei hallt durch den Wald. Irgendwo hatte sie diesen Brauch bei den Menschen aufgeschnappt.. Irgendwo erlebt. Die Wildelbin starrt herab auf das Fleisch der Natur in ihren Händen und hängt diese an ihren Gürtel.. "Für die Gefallenen..."
Mit Tränen in den Augen dreht sie sich um. "Wir werden uns wieder sehen..." Langsam setzen sich ihre Füße wie von selbst in Bewegung und verfolgen einen immer schneller werdenden Rythmus.
"Mein Element ist der Tod. Und Tod werde ich in euren Reihen verbreiten. Ich werde nicht eher ruhen bis jeder Ork, der meinen Weg kreuzt in seinem eigenen Blut badet und ich sein Fleisch in Stücke reiße. Ab jetzt beginnt die Zeit des Blutes, die Zeit der Jagd."